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Rostgurken und Bohrhaken

Kein anderes Felsgebirge der Welt hat eine so lange und vielfältige Klettergeschichte wie die Dolomiten. Überblicksmäßig kann man folgende Epochen zusammenfassen:

Die Erschließerepoche (1857-1870), in der alle wichtigen Hauptgipfel der Dolomiten erstbestiegen wurden.

Die Erstersteigung großer Wände und markanter Zinnen (um die Jahrhundertwende). Ein kletterbarer Weg durch die großen Wände (Thomasson an der Marmolada Südwand 1901) und auf die markantesten Felszinnen (Ampferer am Campanile Basso 1899) wurde gefunden.

Die schwierigste Wand bis zur Linie des fallenden Tropfen (1920-1960). Kletterer suchten eine immer direktere Linie durch die Dolomitenwände, was sich am Beispiel der großen Zinne anschaulich zeigen lässt. (Nordwand Comici 1933, Direttissima Hasse/Brandler 1958, Superdirittissima oder Sachsenweg 1963)

Die kompromisslose Freikletterei (Ende der 60er bis Anfang der 80er Jahre). Als Antwort auf die hakentechnische Kletterei, dem „Mord am Unmöglichen“, wurde in dieser Zeit möglichst schnell, möglichst frei und mit möglichst wenig Absicherungen, durch die großen Wände geklettert.
Die schwierigste Kletterstelle (80er Jahre bis heute): nicht der Gipfel zählt und kaum die Wand, sondern die „rotpunkt“ gekletterte Schwierigkeit einer Route.

 Rostgurken                     Bohrhaken


Jede dieser Epochen hatte ihre Erschließer und jeder Erschließer hatte seine mehr oder weniger sportlichen Methoden, Routen zu eröffnen. Deshalb spiegeln die Dolomiten heute ein gewaltiges Sammelsurium an unterschiedlichen Erschließungsmethoden wieder. Sie reichen von Routen ohne einen einzigen Haken bis hin zur von oben eingerichteten endlosen Bohrhakenreihe.
 
In den Dolomiten ist genügend Platz für alle und deshalb gilt: Erstbegehern werden keine Vorschriften gemacht, soweit sie eine eigenständige Routenführung finden. Sie allein entscheiden über eingesetzte Mittel und den Stil und werden dafür mehr oder weniger anerkannt. Ihre Mittel und ihr Stil werden von den nachfolgenden Seilschaften respektiert, was allerdings auch bedeutet, dass alte Routen NICHT mit neuen Mittel saniert werden.

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