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Zur Alpingeschichte
Alpingeschichte Dolomiten Die Erstbesteigungdes Mont Blanc im Jahre 1786 gilt als die Geburtsstunde des Alpinismus.
In den Dolomiten hat zu jener Zeit noch kein Talbewohner daran gedacht, auf einen dieser bizarren und bedrohlichen Felszacken zu steigen. Zu hart war der tägliche Kampf, dem Grund und Boden bis hinauf an den Fuß der steilen Felswände das Nötigste zum Überleben abzuringen. So sind in den Dolomiten bis zum Beginn der Neuzeit keine Gipfelbesteigungen urkundlich belegt. Trotzdem bezeugen bedeutsame Funde aus vorgeschichtlicher Zeit, die am Schlern, dem Sella- und Grödnerjoch und dem Würzjoch gemacht wurden, dass der Mensch der mittleren Steinzeit (7000 bis 5000 Jahre vor Christus) sich bereits weit über der heutigen Vegetationsgrenze aufgehalten hat.
Jedoch erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts interessierten sich, mehr vom Forscherdrang getrieben als vom alpinsportlichen Ehrgeiz, englische Bergfanatiker für die steilen und noch unbestiegenen Gipfel der Dolomiten. Die zwei Abenteurer Josian Gilbert und G.C. Churchill müssen, obwohl sie keine wichtigen Gipfel bestiegen haben, als erste genannt werden. Sie zogen 1856 durch die Dolomiten und waren von der „fremdartigen Reihe von zerrissenen Felsspitzen“ dermaßen fasziniert, dass sie nach ihrer Rückkehr nach England das Buch „The Dolomite Mountains“ verfassten, welches zum Bestseller wurde und maßgeblich dazu beigetragen hat, dass sich der Name Dolomiten für diese Bergregion durchsetzte. Begleitet von einem einheimischen Gämsjäger bestieg der irische Alpinist John Ball 1857 als erster Mensch den 3169m hohen Monte Pelmo und leitete damit die Eroberungsepoche der höchsten Dolomitengipfel ein. Im selben Jahr wurde in London mit dem „Alpine Club“ der erste Bergsteigerverein der Welt gegründet und John Ball gleich zum ersten Vorsitzenden gewählt.
Die Zeit des „klassischen Alpinismus“ hat begonnen. Ball war 1860 wieder in den Dolomiten, diesmal um den höchsten Gipfel, die vergletscherte Marmolata 3.343m, zu besteigen. Den Hauptgipfel erreichte er allerdings nicht, er musste sich mit der etwas niedrigeren Punta Rocca zufrieden geben. Im Sommer 1862 erblickte der aus einer wohlhabenden Wiener Familie stammende Paul Grohmann von den Hohen Tauern aus „eine neue Bergwelt von märchenhaften Formen im Süden, über die auch das beste Buch nur geringe Aufschlüsse erteilte“. Er beschloss umgehend in die Dolomiten zu ziehen und dort zu arbeiten.

Paul Grohmann
Was in den nächsten Jahren folgte, war eine unvorstellbare Serie von Erstbesteigungen der bedeutendsten Gipfel in den Dolomiten. Die wichtigsten davon: alle drei Tofane, der Sorapiss, der Antelao, der Piz Boé, die Dreischusterspitze, der Monte Cristallo und im Jahre 1864 der Hauptgipfel der Marmolata. Damit kann man Grohmann getrost als den Dolomitenpionier schlechthin bezeichnen. Für immer in den Alpingeschichtsbüchern verewigt hat er sich jedoch mit den Erstbesteigungen der als unbezwingbar geltenden Gipfel des Langkofels 3181m in Gröden und der Großen Zinne 2999m in den Sextner Dolomiten. Bei all seinen Besteigungen ließ er sich von einheimischen Führern begleiten, die er selber aus den Reihen der Gämsjäger und Bauern aussuchte, und auch wenn diese die Beweggründe ihres „Auftraggebers“ nicht verstanden, war es für sie doch ein schönes Zubrot. Ein Tageshonorar im Gegenwert einer Kuh war damals nicht selten. Dass Paul Grohmann für seine schwierigsten Unternehmen immer den aus Osttirol stammenden Peter Salcher und Franz Innerkofler aus Sexten mit dabei hatte, spricht für die Qualität dieser beiden Bergführer. Der Überlieferung nach waren sie aber auch die beiden Einzigen, die mit den vielen Sonderwünschen ihres „Gastes“ zu Recht kamen. So musste bei jeder Bergtour ein überlanges und leicht zerbrechliches „Barometerröhrl“ mitgetragen werden, das zur Bestimmung der Gipfelhöhe notwendig war, und welches auf keinen Fall zu Bruch gehen durfte. Aber auch Grohmann musste Niederlagen einstecken. Bereits 1865 wollte er gemeinsam mit 2 Ampezzaner Gämsjägern die Hohe Gaisl 3146m in den Pragser Dolomiten besteigen. Dem Bericht zufolge erreichte die Dreierseilschaft eine markante Scharte wenige Meter unterhalb des Gipfels. Angelo Pizzo, einer der beiden Begleiter, soll es gewesen sein, der behauptete, diese kurze Wandstufe sei unbesteigbar und somit musste das Team diesmal ohne Gipfelsieg umkehren. 5 Jahre später, im Sommer 1870, überwand dann der britische Bergsteiger E.R. Whitwell mit seinen beiden Begleitern Santo Siorpaes und Christian Lauener die Wandstelle ohne größere Probleme und somit war auch die erste Besteigung der Hohen Gaisl vollbracht.
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Josef Appenbichler, Bergführer um 1890
Noch im selben Jahr gelingt diesem Dreiergespann die erste Besteigung des kühnen Piz Popena 3152m im Cristallomassiv und auch das „Matterhorn der Dolomiten“, der Cimone della Pala 3184m, geht auf das Konto derselben bewährten Seilschaft. Mit Whitwell schließt sich der Kreis: waren es die Engländer, die die Erstbesteigungen der großen Dolomitengipfel einleiteten, so waren sie es auch wieder, die den Eroberungsalpinismus in den Dolomiten abschlossen. Natürlich waren noch immer eine weit größere Anzahl an schwierigen Zinnen und Zacken in den Dolomiten unbestiegen.
Da diese in ihrer Bedeutung damals als weniger wichtig eingestuft wurden als die höchsten Gipfel, ließen sie viel Raum für die folgenden Generationen von Abenteuerkletterern. Mit genügend Phantasie bleibt sogar einiges bis in die heutige Zeit übrig!
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